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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() WOCHENÜBERSICHTTel./Fax: 0201-1775140/41Geschichte des Rhönrads Die Entstehung In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, als das Ruhrgebiet besetzt war, kam der Pfälzer Otto Feick ins Gefängnis. Der Schlosser und Eisenbahngewerkschaftler erinnerte sich während seiner Haft an ein Kindheitserlebnis, als er zwei starke Fassreifen durch Querstäbe verband, um mit diesem Doppelrad einen Abhang hinunter zu rollen. Er entwickelte den Plan, aus diesem Kindertraum ein Turngerät zu entwickeln. Nach seiner Haft zog Otto Feick in die Heimat seiner Frau nach Schönau an der Brend, einem kleinen Ort in der Rhön. Dort eröffnete er eine Werkstatt für Metallverarbeitung und nach vielen Versuchen entstand 1924/25 das Turnrad, dass Otto Feick "Rhönrad" nannte. Im Jahre 1925 meldete er das Rhönrad zum Patent an und ließ es in 30 Staaten schützen. Aufstieg und Fall Den ersten Weg nahm das Rhönrad von Schönau zunächst nach Würzburg. Hier stellte Feick mit Sportlern der Eisenbahner Turn- und Sportverbände eine Mustertruppe zusammen und man begann durch Vorführungen das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. 1927 wurde Otto Feick nach England eingeladen, um das Rhönrad auf den grössten Bühnen Londons und vor englischen Fliegern vorzuführen. 1928 stellte Feick das Rhönrad in Frankreich vor und bereiste anschliessend mit seiner Gruppe fast alle Länder Europas. Die erste Reise nach Amerika trat er 1929 an, wo das Rhönrad fast zur Sensation wurde. Da Berlin als Reichshauptstadt Otto Feick als besonders wichtig erschien, machte er sich mit großem Eifer daran, dort neben Würzburg das zweite Rhönradzentrum entstehen zu lassen. Aber auch mit Schulen trat er in Verbindung, so dass das Rhönrad in den Sportunterricht einiger Schulen integriert wurde. Die erste Wettkämpfe wurden ebenfalls in dieser Zeit ausgetragen, vorallem standen Wettfahrten, Wettspringen sowie Hindernisrennen auf dem Programm; daneben aber auch schon Pflicht- und Kürübungen in der Spirale und im Geradeturnen. Den Höhepunkt in der Entwicklung des Wettkampfwesens bildete das Internationale Rhönradturnier 1930 in Bad Kissingen, an dem neben Deutschland fünf andere Nationen teilnahmen. Ebenfalls in diesem Jahr fanden in Würzburg die 1. Deutschen Rhönradspiele statt, bei denen alleine 50 Turner aus Würzburg kamen. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Teilnahme von 120 Rhönradturnern und -turnerinnen 1936 im Rahmenprogramm der Olympischen Spiele in Berlin. War bisher das Rhönradturnen vorwiegend eine innerdeutsche Angelegenheit, begann sich von nun an auch das Ausland immer mehr für das Rhönrad zu interessieren. Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde das Rhönradturnen wie allgemein der gesamte Sportbetrieb eingeschränkt, bis es in den letzten Kriegsjahren vollständig zum Erliegen kam. Der Wiederaufbau Als nach dem Zusammenbruch wieder neues Leben entstand, fanden sich auch die ehemaligen Rhönradfreunde wieder. Man richtete zerschlagenden Räder wieder her, um den liebgewonnen Sport erneut auszuüben. Die ersten Anfänge wurden wiederum in Berlin und Würzburg gemacht, und obwohl in keiner Weise an die Leistungen aus der Vorkriegszeit angeknüpft werden konnte, wurden bald schon wieder Wettkämpfe ausgetragen, bei denen aber nun ausschließlich das turnerische Element zum Tragen kam und die volkstümlichen Wettfahrten immer mehr an Bedeutung verloren. Durch diese Entwicklung wurde das Rhönradturnen nun erst in die Landesturnverbände und 1958 auch in den DTB aufgenommen. So fanden 1960 endlich die ersten Deutschen Meisterschaften in Hannover statt und 1961 die ersten Deutschen Vereins-Mannschaftsmeisterschaften. Otto Feick erlebte die volle Anerkennung seiner Erfindung nicht. Er starb am 17. Oktober 1959 und fand in Schönau seine letzte Ruhe. Ein weiterer großer Einschnitt in der Entwicklung des Rhönradturnens war die Bemantelung der Stahlreifen mit einer Kunststoffbeschichtung. Dadurch konnten die Räder auf Hallenböden rollen, ohne diese zu beschädigen und aus dem ehemaligen Luft- und Freizeitsport wurde ein Hallensport. Die Rollbewegung wurde langsamer und die Bodenunebenheiten fielen weg, so daß schwierigere Übungen geturnt werden konnten und die exakte Ausführung der Übung mehr Gewicht bei der Bewertung erhielt. Deshalb turnt man heute auch in wesentlich größeren Rädern als früher. Rückkehr auf die internationale Bühne Ein noch grösserer Aufschwung des Rhönrades begann Anfang der 80erJahre. Durch die Gymnastrada 1982 in Zürich sowie 1987 im dänischen Herning wurde die Basis für eine internationale Rhönradarbeit gelegt. Die Rhönradschauturngruppe des DTB erregte mit ihren sehr modernen Choreographien sehr viel Aufsehen und Interesse an dieser alten/neuen Sportart. Kontakte nach Israel, Japan und sehr vielen europäischen Ländern führte 1990 zur Austragung des 1. Europacup im Rhönradturnen in Taunusstein. Während 1991 in Cosenza/Italien auch noch ein Europa-Cup durchgeführt wurde, waren es in den darauffolgenden Jahren in der Schweiz, Frankreich und Portugal offiziell anerkannte Europameisterschaften. Nach der Gründung des Internationalen Rhönradverbandes (IRV) 1994 in der Schweiz, wurde 1995 in Den Helder (Niederlande) die 1. Weltmeisterschaft ausgetragen. Neben Japan, USA, Israel, England, Frankreich, Norwegen, Schweden Niederlande und der Schweiz sind die deutschen Turner und Turnerinnen noch Vorreiter dieser Sportart. Für die Weltmeisterschaften 1997 im belgischen Antwerpen waren erstmalig Kürübungen im Geradeturnen mit Musik vorgeschrieben. Nachdem dieser Teil des Wettkampfprogramms in den vergangenen Jahren im Rahmen einzelner Wettkämpfe schon praktiziert wurde, entschloss sich das Technische Komitee Rhönradturnen im DTB dazu, diese Entwicklung ins nationale Wettkampfprogramm aufzunehmen. Seit 1998 turnen die Aktiven in der Erwachsenenklasse ihre Kürübungen im Geradeturnen nach Musik. Auf internationaler Ebene ist seit der 4. Weltmeisterschaft 2001 in Liestal/Schweiz der Sprung auch für die Turnerinnen vorgeschrieben. Nachdem die 5. WM 2003 die Aktiven nach Lillehammer/Norwegen, führte wird die nächste Weltmeisterschaft 2005 in Aachen/Eupen ausgetragen. Text: Monika Engelmeier |